Cross-Media Projektmanagement - vernetzte Kommunikationsprojekte
| Produkt | Prozess | Projekt | Projekttypen | Projektmanagement |


„Wenn Du ein Schiff bauen willst,
so rufe nicht Menschen zusammen,
um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeug zu holen und Holz zu schlagen,
sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer“

Saint-Exupéry

Grundlegend für die Arbeit im Bereich des Projektmanagements ist die Abgrenzung wichtiger Begrifflichkeiten. Dies ist notwendig, um Fehlinterpretationen zu vermeiden und die Basis für die Übertragung der reinen Projektmanagementlehre auf ein Cross-Media Projekt zu schaffen. Burghardt weißt eindringlich darauf hin, dass bei den folgenden Begriffen (Tabelle 1) eine scharfe Trennung in der Verwendung angezeigt sei. Es könnten somit viele Missverständnisse in der Projektarbeit vermieden werden.

Produkt Projekt Prozess
Produktplanung Projektplanung Prozessplanung
Produktorganisation Projektorganisation Prozessorganisation
Produktdokumentation Projektdokumentation Prozessdokumentation
Produktstruktur Projektstruktur Prozessstruktur
Produktmanagement Projektmanagement Prozessmanagement

Tabelle 1: Trinität der Begriffe: Produkt - Projekt – Prozess (Burghardt, 2001)


Im Nachfolgenden werden Produkt, Prozess, Projekt, Charakter von Projekten und Projektmanagement per Definition eingegrenzt.

Produkt

„Das Produkt wird im allgemeinen Sprachgebrauch verstanden als Erzeugnis oder Ergebnis eines Tätigkeitsvorhabens; es ist das Resultat der Entwicklungs- und Projektierungs-Anstrengungen und damit der >>Output<< der Entwicklung bzw. einer Projektierung.“

Burghardt fügt hinzu, dass das Produkt nützlich für den Kunden sein soll.

Kotler geht auf die Funktion ein und definiert „ein Produkt ist jedes Objekt, das auf einem Markt zur Beachtung oder Wahl, zum Kauf, zur Benutzung oder zum Verbrauch oder Verzehr angeboten wird und geeignet ist, damit Wünsche oder Bedürfnisse zu befriedigen.“

Er führt weiter aus, was er unter „Objekten“ subsumiert:

  • gegenständliche Objekte
  • Dienstleistungen
  • Personen
  • Orte oder Räumlichkeiten
  • Organisationen und Ideen

Das Objekt lässt sich in die drei Produktebenen Kernprodukt, Regelprodukt und erweitertes Produkt unterscheiden. Die nachfolgende Grafik zeigt diesen Sachverhalt auf:

Definition nach Kotler: Produkt - (Projektmanagement)


Abbildung 11: Die drei Produktebenen Kernprodukt, Regelprodukt und erweitertes Produkt (Kotler, 1999)


Sehr hilfreich ist die Verwendung beider Sichtweisen, da einerseits bei der Planung eines Projektes ein Produkt mit all seinen Facetten das Ergebnis sein muss, andererseits gerade in der Projektarbeit ein Prozess zur Herstellung eines Produktes koordiniert werden soll. Es gilt deshalb:
Der Begriff Produkt beinhaltet das Ergebnis von Prozessen, welchen einen Kundennutzen beinhalten müssen. Ein Produkt im Sinne von Cross-Media ist z.B. eine Website als Prozessergebnis.

Prozess

Burghardt definiert wie folgt: “Der Prozess kennzeichnet das eigentliche Vorgehen im Projekt zur Herstellung des Produkts; er beschreibt also den Planungs- und Realisierungsablauf. … Der gesamte Prozess ist üblicherweise in Abschnitte und Phasen unterteilt, die klar umgrenzte Arbeitsinhalte haben.“

Projekt

Anlehnend an die DIN 69901 ist nach Burghardt ein Projekt ein zielgerichtetes Vorhaben zur Erstellung eines Produktes mit klar umgrenztem zeitlichem Ablauf. Die Hauptkriterien sind demzufolge:

  • "Eindeutigkeit der Aufgabenstellung
  • definierte Dauer mit festem Endtermin
  • abgestimmtes Kostenvolumen und
  • klare Verantwortung

Ein Projekt umfasst dabei alle Aktivitäten, die für das Erreichen des gesetzten Projektziels, d.h. das Erbringen eines „Produkts“ erforderlich sind.“

Erweitert um den Aspekt der interdisziplinären Kooperation, definiert Zielasek ein Projekt als „eine besondere, umfangreiche und zeitlich begrenzte Aufgabe von relativer Neuartigkeit mit hohem Schwierigkeitsgrad und Risiko, die in der Regel eine enge fachübergreifende Zusammenarbeit aller Beteiligten fordert.“

Zielasek vertritt die Meinung, dass der Begriff Projekt in der Praxis nicht zu eng ausgelegt werden sollte, um die Vorteile der Projektarbeit in anderen Vorhaben nutzbar zu machen. Möglich ist dies, „wenn man z.B. die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit erkennt oder überhaupt die Möglichkeit zu einer sinnvollen Anwendung des Projekt-managements sieht.“

Diese erweiterte Auslegung des Begriffes Projekt sollte die Grundlage für die Verwendung des Begriffes "Projekt" sein. Eine Übertragung der methodischen Vorgehensweisen des Projektmanagements diese Arbeit ist dann leichter möglich. Ebenso wird der inflationären Verwendung des Projekt-Begriffes entgegengewirkt.

Projekttypen

In der Praxis weisen Projekte sehr große Unterschiede in ihren Eigenschaften auf. Aus diesem Grunde gibt es in der Literatur eine Vielzahl von unterschiedlichen Kategorien zur Einordnung von Projekten. Nachfolgend werden drei unterschiedliche Arten der Klassifizierung von Projekten aufgeführt.

Burghardt unterscheidet Projekte nach: Projektdauer, Projektgröße und Projektart.

  • Projektdauer (Minimum 2 Monate und Maximum 5 Jahre)
  • Projektgröße (Beteiligte Mitarbeiter (MA), aufgewendete Mannjahre (MJ) und/oder verursachte Kosten)
  • Projektart („in welcher Unternehmensfunktion das Projekt abläuft“

For die Projektgröße schlägt er eine Kategorisierung anhand nachfolgender Tabelle 2 vor.


Projektgröße Anzahl MA MJ Mio. EUR
Sehr kleine <3 <0,5 <0,1
Kleine 3-10 0,5-5 0,1-1
Mittlere 10-50 5-50 1-10
Große 50-150 50-500 10-80
Sehr große >150 >500 >80
Tabelle 2: Projektgröße (Burghardt, 2000) - Projektmanagement

Mit Hesselers Ansatz wird die „Leistungserstellung mit Projektcharakter“ unterschieden nach:

  • „dem Projektinhalt [entspricht dem oben aufgeführten Projektart von Burghardt - Anmerkung des Verfassers],
  • der Stellung des Kunden/Auftraggebers (z.B. intern, extern),
  • dem Grad der Wiederholung (Routine, Innovation),
  • nach den beteiligten Organisationseinheiten (z.B. abteilungsübergreifend),
  • dem unternehmensspezifischen Schwierigkeitsgrad etc. “

Litke klassifiziert Projekte nach:

  • der Aufwendigkeit (Komplexität)
  • der Dringlichkeit (A- und B-Projekte)
  • dem zeitlichen Rahmen (kurz- und langfristig) und
  • der zeitlichen Einbindung der Mitarbeiter (Voll- und Teilzeit und deren Kombination)

Projektmanagement

Nach DIN 69 901 lautet die Definition für den Begriff Projektmanagement „Gesamtheit von Führungsaufgaben, - organisation, -techniken und –mittel für die Abwicklung eines Projektes.“

Problematisch erscheint die Verwendung von Führung, da es zu diesen verschiedene Auslegungen gibt. So kann Führung lösgelöst vom Planungs- und Organisationssystem gesehen werden. Weiter ist Führung nicht gleichzusetzen mit Management. Schelle definiert Führung zur Lösung dieser Problematik wie folgt:
„Führung ist die Steuerung der verschiedenen Einzelaktivitäten in einem Projekt im Hinblick auf das übergeordnete Projektziel.“

Einen umfassenderen Ansatz bietet die Definition von Zielasek:
„Projektmanagement ist eine Führungskonzeption für die direkte fachübergreifende Koordination von Planung, Entscheidung, Realisierung, Überwachung und Steuerung bei der Abwicklung interdisziplinärer Aufgabenstellungen.“